Low Carb Bohnenmus-Auflauf und die Sache mit den Fehlern…

2. März 2017 Kommentieren / Ausdrucken?

Fehler. Jeder hat schon mal einen gemacht. Jeder kennt jemanden, der schon mal einen gemacht hat. Es gibt Kleine, es gibt Große. Und es gibt Lebensverändernde. Es gibt welche, die wenig Schaden anrichten und welche, die man vielleicht noch zum Guten wenden kann.

Es gibt Moralische und es gibt … Moment: Gibt es Fehler, die nicht moralisch sind? Während ich diese Zeilen tippe, gerate ich ins Stocken. Ich frage mich, was Fehler eigentlich sind. Wer definiert, was ein Fehler ist und wie unser Fehlverhalten behandelt wird? Wer entscheidet über mögliche Konsequenzen?


Was sind Fehler? 

 Auf einmal meldet sich der Geisteswissenschaftler in mir zu Wort:

“Fehler sind Verhaltensweisen, die von der Gesellschaft als negativ bewertet werden. Über Generationen hinweg werden adäquate Verhaltensweisen sozial ausgehandelt. Ein Verstoß dagegen wird mit Sanktionen belegt.”

Von klein auf lernen wir, was Fehler sind. Was wir tun dürfen und was wir besser nicht tun sollten. Wir lernen, uns an Regeln zu halten. Regeln, die wir, die Gesellschaft, uns auferlegt haben. Während unseres Lebens kommt es vor, dass wir gegen diese Regeln rebellieren. Mal mit lautem Protest, mal leiser. Mal länger, mal kürzer. Je nachdem, wie sehr wir die gesetzten Regeln in Frage stellen.

Je älter wir werden, desto komplexer werden die Regeln um uns herum. Die soziale Welt, in der wir leben wird vielschichtiger. Die Anforderungen, uns in das jeweilige Gefüge einzupassen immer größer. Zumindest scheint es so, während wir beginnen das große Ganze zu begreifen.

Auf einmal gibt es ungeschriebenen Regeln im Verhalten gegenüber anderen. Dazu kommen Regeln, die wir uns selbst auferlegen, weil wir uns mittlerweile ein Bild davon gemacht haben, wie wir leben möchten. Weil wir definiert haben, was für ein Mensch wir selbst sein möchten.

Und dann gibt es noch die vielen kleinen anderen Regeln. Zum Beispiel die Regeln der Arbeit. Die Regeln des Lebens, Kommaregeln, Straßenverkehrsregeln, Sicherheitsvorschriften oder versteckte Regeln, die beim ersten Anschein eher wie Handlungsempfehlungen wirken.
Dazu zähle ich auch Bedienungsanleitungen oder Kochrezepte. Begehen wir bei solchen Handlungsempfehlungen einen Fehler oder beachten wir die einzelnen Schritte in einem Rezept nicht richtig, müssen wir damit rechnen, dass uns das Gericht nicht gelingt oder das Regal eben nicht sicher steht.

Risiko?


Manchmal kalkulieren wir dieses Risiko bewusst ein. Wenn wir uns zum Beispiel nicht an das Kochrezept halten wollen. Dann kreieren wir entweder etwas Neues, das Gericht landet in der Tonne oder sieht mit etwas Glück einfach nur nicht so hübsch aus, wie wir es uns vorgestellt haben. Mit großen Konsequenzen müssen wir allerdings nicht rechen. Es entsteht kaum Schaden und entsprechend gering kalkulieren wir unser Risiko.

So wie bei meinem Bohnenmus-Auflauf, denn du hier siehst. Sieht nicht hübsch aus, schmeckt aber fantastisch. Und ich habe mich dafür sogar einigermaßen an ein Rezept gehalten. Der einzige Fehler daran war vielleicht, dass ich davon wirklich Fotos gemacht habe und sie dir hier zeige. Aber vermutlich ahnst du bereits, worauf ich mit meiner Vorrede und dem Vergleich mit meinem Bohnemus-Auflauf hinaus will.

Bevor ich mit meiner Pointe um die Ecke komme: Hier ist das Rezept für diesen sensationell leckeren Bohnenmus-Auflauf mit Brokkoli. Du solltest ihn wirklich mal probieren. Auch wenn er nicht so fotogen ist.



Inspiriert wurde ich dazu durch das Kochbuch „Körner - Rezepte mit Biss”. So richtig an die “Regeln” halten konnte ich mich jedoch nicht… Wer hätte es gedacht?
Das tut dem Geschmack zum Glück keinen Abbruch und ich habe mir sagen lassen, dass die meisten "Matsch-Gerichte" zwar wirklich furchtbar aussehen, aber dafür umso leckerer sind. Kann ich bestätigen!

Low Carb Bohnenmus-Auflauf


Für etwa 4 Portionen
2 Dosen weiße Bohnen
Etwas Olivenöl
1 fein gehackte Zwiebel
2 fein gehackte Knoblauchzehen
Salz, Pfeffer, etwas Gemüsebrühpulver

Die Zwiebel zusammen mit dem Knoblauch in einer Pfanne mit etwas Olivenöl glasig dünsten. Eine Dose Bohnen abtropfen lassen und dazu geben. Den Inhalt der zweiten Dose inklusive Wasser in die Pfanne geben. Alles leicht aufköcheln lassen. In eine Schüssel oder die Küchenmaschine umfüllen und folgende Zutaten hinzugeben:

2 EL Ziegenfrischkäse
2 EL Milch
1 Prise Chili oder Harrisa-Mischung
50g geriebenen Bergkäse

Alles fein pürieren, mit Salz, Pfeffer und Gemüsebrühe abschmecken und in eine gefettete Auflaufform geben. Gewaschene und geputzte Brokkoli-Röschen darauf verteilen und etwas in die Masse drücken. Mit Käse bestreuen und bei 180°C Ober-/Unterhitze 20-25 Minuten backen lassen.

Fehler sind Regelverstöße


Bei kleinen Regelverstößen, wie der Missachtung einer Bedienungsanleitung oder eines Rezeptes, ist es einfach das Risiko für einen Fehler einzurechnen. Schwieriger wird es bei moralischen Fehlern, die vielleicht das Bild von uns verändern, das andere sich von uns gemacht haben. Die Konsequenzen sind bei einem Fehler in diesem Bereich meist weitreichender und uneinschätzbarer. Woher sollen wir auch wissen, wie, ob und wann der eine kleine Fehler beispielsweise unser späteres Berufsleben beeinflussen wird oder unsere Beziehung? Holt er uns vielleicht ein, wenn wir am wenigsten damit rechnen?

Fehler auf der emotionalen Ebene passieren gerne, wenn sich ein Gesprächsverlauf verselbstständigt oder es uns sogar komplett entgleitet. Oder wenn wir unbedacht Dinge äußern, die wir nicht zu Ende gedacht haben. Dann möchten wir uns am liebsten auf die Lippe beißen oder gar die Zeit zurückdrehen.

Wir merken, wie in uns dieses beklemmende Gefühl aufsteigt. „Verdammt.. Hier hab ich ganz schön was vermasselt. Nicht aufgepasst. Nicht mitgedacht.”

Hitze steigt uns ins Gesicht. Es wird warm. Panik macht sich breit und schon beginnt die Gedankenmühle zu mahlen. Hat jemand meinen Fehler bemerkt? Wird mein Fehler Konsequenzen haben? Habe ich eine Chance, die Sache wieder in Ordnung zu bringen?
In Sekundenbruchteilen kalkulieren wir unsere Möglichkeiten… und sehen vielleicht ein, dass wir jetzt an einer Weggabelung stehen.
Wir haben zwei Möglichkeiten:

Entweder: Wir leugnen alles oder verschweigen unseren Fehler - unter den Tisch fallen lassen fällt auch in diese Kategorie.
Oder aber: Wir stehen zu unserem Fehler, entschuldigen uns offen und ehrlich. Optional versuchen wir, ihn zu korrigieren oder zumindest lernen wir daraus.

Nur zwei Möglichkeiten.


Alles was uns hier bei der Entscheidung hilft, ist unsere eigene Einstellung. Wie hoch setzen wir unseren eigenen moralischen Maßstab an. Wie bewerten wir Fehler? Als Chance oder als Grund, um wütend zu werden und uns in unser Schneckenhaus zurückzuziehen? Wir entscheiden. Manchmal bei jedem Fehler neu.

„Um echt zu sein, musst du scheitern. Um menschlich zu sein, musst du Fehler machen. Um zu wachsen, musst du furchtlos sein und ihnen mutig ins Gesicht sehen.”

Wer möchte nicht menschlich sein? Wer will nicht wachsen? Und wer um Himmelswillen möchte in unserer Zeit nicht irgendwie „echt” sein?

Mit einer solchen Einstellung ist es leicht die richtige Weggabelung zu wählen.

Wir gestehen den Fehler ein.

Das muss nicht mal gegenüber einem anderen sein. Auch nicht gegenüber demjenigen, der uns vielleicht darauf aufmerksam gemacht hat. Es sei denn, man erkennt, dass man sich ehrlich entschuldigen muss.
Aber als erster Schritt reicht es, ehrlich zu uns selbst sein und sich einzugestehen, dass man hier Mist gebaut hat. Denn jetzt hat man eine Chance. Eine echte sogar. Man kann wachsen! Aus seinem Fehler lernen und sicher stellen, dass man den selben nicht nochmal macht. Eigentlich ziemlich gut, oder?

Verleugnen wir hingegen unseren Fehler, dann grummeln wir muffelig vor uns hin und ärgern uns. Wir suchen Sündenböcke, statt eine neue Chance zu entdecken, mehr aus uns zu machen. Vielleicht verpassen wir sogar eine Chance zu wachsen.

Sicher fragst du dich, wie ich jetzt zu dieser irren Erkenntnis gekommen bin und warum vor allem heute?

Ich habe letzte Woche einen Fehler gemacht. - Nein, nicht diesen Bohnenmus-Auflauf. Mir ist eine Situation entglitten. Die Gruppendynamik um mich herum war einfach etwas schneller, als ich die Situation zu Ende denken konnte und gegensteuern konnte. Ein falscher Satz und schon war es passiert.

Während in mir Panik auf stieg und ich merkte, wie mein Gesicht immer wärmer wurde, habe mich gefragt, welche Konsequenzen mich nun erwarten. Die Gedankenmühle bewegte sich in Sekundenbruchteilen. Bis ich sie schließlich stoppte und mir sagte: Ich habe jetzt selbst in der Hand, wie ich mit diesem Fehler umgehe.

Ich stand an der Weggabelung und entschied mich, den Fehler als Chance zu begreifen, um zu wachsen.

Spätestens heute habe ich das beste aus meinem Fehler gemacht: 1240 Wörter - die du jetzt lesen musstest. Ob das ein Fehler war? Entscheide selbst!


Veganer Erdnusseintopf … oder wie Essen verbindet

6. Februar 2017 Kommentieren / Ausdrucken?

Kochbuch - Home in a Bowl
Wie schmeckt für dich Heimat?

Es gibt ja Projekte, die einem sofort sympathisch sind und fast ein wenig ans Herz wachsen. So geht es mir zum Beispiel mit der Initiative “Home in a Bowl”. Ein, mittlerweile, eingetragener Verein aus Augsburg, der sich als interkultureller Botschafter versteht und Menschen verschiedener Kulturen miteinander verbinden möchte. Und das auf die für mich schönste Art und Weise. Durch gemeinsames Essen und Kochen! Wie ginge es besser, Brücken zwischen Menschen zu bauen als mit gemeinsamem, guten Essen und Gastfreundlichkeit?

Essen verbindet


Essen verbindet. Das wissen wir alle instinktiv. Sei es das gemeinsame Abendessen am Familientisch, Kaffee und Kuchen bei Omas Geburtstag, das Date bei dem man zum Italiener um die Ecke geht oder das gemeinsame Tupper-Lunch mit den Kolleginnen in der Mittagspause. Das Lustige am gemeinsamen Essen ist: Das Essen an sich spielt oftmals währenddessen nur eine nebensächliche Rolle. Es ist viel mehr der Austausch mit den Menschen, der es zu etwas Besonderem macht. Doch Essen ebnet uns immer den Weg dorthin. Es verbindet uns auf subtile Weise miteinander. Denn wir alle müssen essen. Warum sollten wir es also nicht gemeinsam tun?

Essen, Futtern, Schlingen - veganer Erdnusseintopf
... heißt: "essen, futtern, schlingen!"

So sehr wir das “Essen müssen” auch gemeinsam haben, so unterschiedlich können unsere Essgewohnheiten sein. Nicht ohne Grund gibt es regionale Unterschiede und Geschmäcker. Wer diese Unterschiede zu nutzen weiß, dem stehen viele Türen offen. Türen zu fernen Ländern in der eigenen Küche. Türen zu fremden Kulturen. Und Türen zu echtem Austausch. Mich packt also wieder einmal die Neugierde, das Interesse an etwas Neuem, etwas Fremden und an den Gemeinsamkeiten mit fremden Menschen, die gerne Kochen, als ich das Kochbuch “Home in a Bowl” aufschlage.

Home in a Bowl


Ich blättere durch die Seiten und bleibe beim veganen Linsendahl hängen, das ich schon einmal auf dem Blog gezeigt habe. Unglaublich lecker ist es und am liebsten würde ich es sofort wieder kochen. Mittlerweile kenne ich das Rezept fast auswendig. Umso bedrückter macht es mich, den Namen des Mannes zu lesen, der dieses Rezept in meine Küche gebracht hat. Pouya, der noch am Ende des letzten Jahres nach Afghanistan zurückkehren musste. Die genauen Hintergründe hierzu kannst du sicher ganz leicht googeln, falls du möchtest.

vegan, gesund und lecker - Erdnusseintopf mit Geschichte
Fast jedes Gericht wird in einer Schüssel serviert.

Ich blättere weiter in der zweiten Auflage des Kochbuches “Home in a Bowl” und bin erstaunt, wie treffend doch der Name ist. Fast jedes Gericht wird in einer Schüssel serviert und bringt ein Stückchen der jeweiligen Heimat des Kochs mit sich. Genauer, ein Stück einer fremden Heimat nach Augsburg. Denn genau hier haben die drei Gründerinnen von Home in a Bowl e. V. zusammen mit den Menschen, die ihre Rezepte in diesem Buch an uns weiter geben, gekocht. Von jedem dieser Menschen erfahren wir im Buch ein Stück Lebensgeschichte. Wir erfahren, woher sie kommen, was sie nach Augsburg gebracht hat und was ihr jeweiliges Rezept für sie bedeutet. Ich lese, blättere und entscheide mich schließlich dafür, veganen Erdnusseintopf nach Ihlanis Rezept zu kochen.

Kulturmix in der Küche


Fasziniert bleibe ich an ihrer Geschichte hängen. Ihlani, deren kulturelle Wurzeln einmal quer über die Welt verteilt sind, verschlägt es mit neun Jahren aus den USA nach Deutschland. Auch nach Augsburg, wo sie für einige Jahre eines der ersten veganen Restaurants hier eröffnet.
Ich google, denn zu gerne möchte ich jetzt den originalen, veganen Erdnusseintopf von Ihlani in ihrem Restaurant probieren, möchte herausfinden, wie der Kulturmix ihre Küche geprägt hat, stelle aber enttäuscht fest, dass es das Restaurant nicht mehr gibt. Was wohl daraus geworden ist?

Toll, wenn interkultureller Austausch so lecker ist
Dieses Rezept hinterlässt Spuren in meiner Küche...

Ich koche also selbst und bin begeistert. Ihlani wird ebenso wie Pouya eine Spur in meiner Küche hinterlassen. Eine Spur in Form eines Rezeptes mit Hintergrund.

Vielleicht möchtest du dir auch etwas von Ihlanis interkulturellem Charme in deine Küche holen? Dann ist hier das Rezept für dich!

Veganer Erdnusseintopf nach Home in a Bowl

Für 3-4 Personen
  • 1 große Süßkartoffel
  • 1 Paprika
  • 1 Gemüsezwiebel
  • 1 Zucchini
  • (1 Aubergine - im Original-Rezept nicht dabei)
  • 1 Zehe Knoblauch
  • 1 daumengroßes Stück Ingwer
  • 1 Tube Tomatenmark
  • 2 TL Paprikapulver
  • 300ml Gemüsebrühe
  • 200 g Erdnussbutter ungesüßt ( im Original-Rezept 400g - das verträgt meine Hüfte aber nicht )
  • Salz
  • Pfeffer
  • Etwas Öl
Das Gemüse in grobe Würfel schneiden. Knoblauch und Ingwer fein reiben und zusammen mit der Gemüsezwiebel im heißen Topf mit etwas Öl anschwitzen. Danach das Tomatenmark hinzugeben und leicht anrösten. Achtung! Nicht zu heiß werden lassen, da es sonst schnell bitter wird. Nun das Paprikapulver unterrühren und noch etwa eine Minute mit anbraten. Gewürfeltes Gemüse hinzufügen und mit Gemüsebrühe aufgießen. Zum Schluss die Erdnussbutter unterrühren, sodass eine cremige Soße entsteht. Sollte es zu dick werden, einfach etwas Gemüsebrühe nachgießen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und etwa 30 Minuten leicht köcheln lassen. Dabei unbedingt immer wieder umrühren, da die Erdnussbutter gerne anhängt.

Dazu schmeckt Basmatireis.
Home in a Bowl - Ein Kochbuch mit Initiative
Gemeinsam Kochen, gemeinsam Essen - Wenn aus Fremden Freunde werden.

Vielen Dank an Tanja, Karin und Johanna von Home in a Bowl e.V. für Euren Einsatz und die schöne Idee, durch gemeinsames Kochen Fremde zu Freunden zu machen.



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